Polkörperchendiagnostik
das Wichtigste in Kürze

© Copyright 2003 Dr. Volker Wetzel


Was will man mit der Polkörperchendiagnostik auf Chromosomenverteilungsstörungen bewirken?
Man will vermeiden, die Vorkernstadien zu verwerfen, die eine reale Chance haben zu einem lebensfähigen Kind zu werden.
Man will mittels der PKD die Vorkernstadien finden und weiterkultivieren, die eine reale Chance haben zu einem lebensfähigen Kind zu werden.
Die PKD hilft, Embryonen ohne Potenz zum Leben oder mit nur sehr geringer Potenz zum Leben nicht entstehen zu lassen.

Erste Publikation:

Verlinsky Y et al. HumReprod 1990,5, 826 ff

Erste Geburten in Deutschland:

14. Februar 2002 UKF Bonn (gesundes Mädchen)
19. Februar 2002 Karlsruher IVF-Programm (gesunder Knabe)

Bis Mai 2003 kamen alle weiteren deutschen Schwangerschaften und Geburten nur aus diesen beiden Arbeitsgruppen.

Mögliche Anwendungen:
  1. Aneuploidiediagnostik der Eizellen mit FISH (das hier besprochene Verfahren)
    (Nachweis von Chromosomenfehlverteilungen aus Meiose I u./o. II)

    Für weitere Indikationen ist aus zeitlichen Gründen die Polkörperchenanalyse
    in Deutschland (ESchG) nur sehr schwer oder nicht realisierbar; auch im Ausland wird für diese Indikationen häufig die in Deutschland nicht mögliche Präimplantationsdiagnostik (PID) eingesetzt:
  2. Analyse von monogenen Erbkrankheiten (heterozygote Trägerinnen ) mit PCR-Verfahren
  3. Analyse von Translokationen (maternal) mit Karyotypisierung

Wie erfolgt die Entnahme des/ der Polkörperchen ?

Sowohl Bonn als auch Karlsruhe öffnen die Eizellhüllschicht (Zona pellucida) mit IR-Laser.

Abbildung 1: Entnahme von Polkörperchen 1 und 2 ca. 6 Stunden nach ICSI

     
Durchführung der Aneuploidiediagnostik mit FISH in Deutschland

Bonn: Analyse PK 1
Karlsruhe: Analyse PK 1 und 2


Abbildung 2: FISH Analyse von Polkörperchen 1 und 2 (Chromosomen 13, 16, 18, 21, 22)
     
Bedeutung der Analyse auch des 2. Polkörperchens

Die Analyse des 1. Polkörperchens zeigt chromosomale Fehlverteilungen der Meiose I, die des 2. Polkörperchens die der Meiose II.

Bei Analyse nur des 1. Polkörperchens werden allein die Störungen der Meiose I erfaßt.
Es werden Eizellen ausgesondert, in denen die Fehlverteilung in Meiose II ausgeglichen wurde (balancierte Verteilungsstörungen, Eizelle hat wieder normalen haploiden Chromosomensatz) bzw. es werden Eizellen als chromosomal normal analysiert, bei denen es erst in Meiose II zu Fehlverteilungen kam.

Nach der Arbeitsgruppe um Verlinsky werden 30.7% der Chromosomenfehlverteilungen nur erfaßt, wenn auch das 2. Polkörperchen analysiert wird:

Kuliev A et al RBM Online 2002, 6/1, 54 ff:
FISH auswertbar in 80.1% der untersuchten Eizellen. Aneuploidierate 52.1%, davon
41.8% MI-Fehler, 30.7% MII-Fehler und 27.6% MI + MII-Fehler.
45.1% mit komplexen Chromosomenfehlern, davon in 21.5% dasselbe Chromosom in MI + MII betroffen, in 78.5% verschiedene Chromosomen, davon in 74.8% zwei und 25.2% drei Chromosomen.

Abbildung 3: Balancierte Störung Chromosom 18 (Farbe aqua = hellblau)
Fehler in Meiose I :
Monosomie 18 in PK 1 und Trisomie 18 in Metaphase II -Eizelle
Kompensation in Meiose II:
Disomie 18 in PK 2 und wieder Monosomie 18 (normal) im weiblichen Vorkern
Weshalb beschränkt man sich in Deutschland mitunter auf die Entnahme und Analyse nur des 1. Polkörperchens?

Gemäß Embryonenschutzgesetz von 1990 muß die Analyse abgeschlossen sein und die Auswertung erfolgen, solange die Eizellen noch nicht das Vorkernstadium verlassen haben, männlicher und weiblicher Vorkern noch nicht verschmolzen sind, also spätestens 18-20 Stunden nach ICSI.

Analyse Polkörperchen 1 allein:

Das 1. Polkörperchen kann beim ICSI entnommen werden. Das Ergebnis (FISH) liegt nach spätestens 6- 8 Stunden vor.

Nachtarbeit ist nicht notwendig.

Analyse Polkörperchen 1 und 2:
Beispiel für 8 Eizellen/ Analyseende 18 Stunden nach ICSI
ICSI   14.00
Biopsie PK1 + PK 2 und Fixierung   20:00 - 22:00
(Start nicht vor 6 Stunden nach ICSI möglich, da 2. PK sonst oft noch nicht ganz ausgestoßen, auch dann sind einige Eizellen noch nicht analysierbar)
Dehydrierung, Hybridisierungsstart   22.30
Waschen, Trocknen, Antifade   05.30
Analyse   06.00-08.00
     
Nachtarbeit ist obligat notwendig.    

Bedeutung und Wert der Polkörperchendiagnostik mit FISH (Aneuploidiediagnostik) unter den Bedingungen des deutschen Embryonenschutzgesetzes von 1990:

Nur 3 Vorkernstadien (Eizellen bis max. 20 Stunden nach Eindringen/ Einbringung des Spermiums) dürfen weiterkultiviert werden.

Von 20 Vorkernstadien hat nur eines die Potenz, zu einem lebensfähigen Kind zu werden.

Welches der Vorkernstadien hat nun diese Potenz?

Mehr als 50% der Eizellen haben Chromosomenfehlverteilungen, die meist mit einer Einnistung oder einer erfolgreichen Entwicklung zu einem Kind nicht vereinbar sind.
Ebenso haben ca. 20% der Samenzellen entsprechende Defekte, die allerdings mit der PKD nicht zu erfassen sind.

Was will man mit der Polkörperchendiagnostik bewirken?
Man will vermeiden, die Vorkernstadien zu verwerfen, die eine reale Chance haben zu einem lebensfähigen Kind zu werden.
Man will mittels der PKD die Vorkernstadien finden und weiterkultivieren, die eine reale Chance haben zu einem lebensfähigen Kind zu werden.
Die PKD hilft, Embryonen ohne Potenz zum Leben oder mit nur sehr geringer Potenz zum Leben nicht entstehen zu lassen.

 
 
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